Der Gegenstand dieses Buches steht in einer Reihe mit meinen früheren und späteren Arbeiten. Eine zusammenfassende Untersuchung darüber hatte mir seit Jahren vorgeschwebt. Andere, von außen her gestellte Anforderungen verhinderten immer wieder die Inangriffnahme. Im Herbst 1943 sah ich mich genötigt, der Verfolgung durch die Gestapo im okkupierten Dänemark auszuweichen, und begab mich gleich vielen meiner Landsleute illegal nach Schweden. Auf Gastvorlesungen über ein verwandtes Thema, die ich im November 1943 an der Universität Uppsala hielt, folgte die Aufforderung des Stockholmer Verlags Wahlström & Widstrand, ein leicht lesbares Buch über die Funktion und Stellung der Intelligenz in der europäischen Gesellschaft zu schreiben. [Der Autor im Vorwort] Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1949, erschienen im Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart. Die alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten. Die vielen Druckfehler der Originalausgabe wurden stillschweigend verbessert.
Theodor Geiger (1891-1952), dänischer Soziologe deutscher Herkunft. Geiger wird zu den Klassikern der Soziologie gezählt. Geiger wuchs in Landshut auf, wo er auch sein Abitur ablegte. Ab 1910 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in München, später in Würzburg. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Freiwilliger teil und war von August 1914 bis Dezember 1918 Soldat. Während des Krieges arbeitete er an einer juristischen Dissertation zum Thema Strafvollzug. Noch als Soldat wurde er 1918 von der Universität Würzburg zum Doktor der Rechtswissenschaft promoviert. Anschließend arbeitete er bis 1920 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Statistischen Landesamt in München, danach verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin, wo er Mitglied der SPD wurde. Er arbeitete an der damals neuen Volkshochschule von Groß-Berlin, wo er später als Dozent und ab 1924 als Geschäftsführer wirkte. Geiger lehrte ab 1924 an der Technischen Hochschule Braunschweig, 1929 wurde er dort ordentlicher Professor der Soziologie, zu jener Zeit die erste sozialwissenschaftliche Professur dieser Hochschule. Bahnbrechend wurden Geigers Studien zur sozialen Schichtung der späten Weimarer Republik. Nach der Machtübergabe an Hitler emigrierte Geiger und kam so der staatlich angeordneten Entlassung zuvor. Bis 1943 lebte er in Dänemark und nahm die dänische Staatsbürgerschaft an. Geiger sprach Dänisch, Englisch, Französisch, Norwegisch und Schwedisch. Seine akademische Karriere in Dänemark wurde von der Rockefeller Foundation gefördert. Er arbeitete zunächst an der Universität Kopenhagen. Von 1938 bis 1940 lehrte er als Professor an der Universität Aarhus Soziologie. Nach der deutschen Besatzung Dänemarks befand sich Geiger wieder auf der Flucht, ab 1943 lebte er im neutralen Schweden. Er hielt Gastvorlesungen an den Universitäten von Stockholm, Uppsala und Lund. Nach Kriegsende kehrte Theodor Geiger umgehend nach Aarhus zurück und führte seine Lehrtätigkeit weiter. 1949 war er Mitbegründer der »International Sociological Association« (ISA). Seit 1949 war er korrespondierendes Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. In den Jahren 1951 und 1952 hielt er Gastvorlesungen in Toronto, um dort das Fach Soziologie einzurichten. Auf dem Rückweg nach Dänemark verstarb er auf See. Geigers Schriften befinden sich heute im Theodor Geiger Archiv der TU Braunschweig.
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