Ein musisch veranlagter Kriminalkommissar und ein psychiatrischer Sachverständiger werden in diesem Buch konfrontiert mit Abgründen, die weit über das juristisch Fassbare hinausreichen. Was als nüchterne Ermittlungsarbeit beginnt, führt sie in seelische Räume, in denen Begriffe wie Schuld, Verantwortung und Gewissen ihre Eindeutigkeit verlieren.
Mord, sexuelle Gewalt und manipulative Verführung erscheinen hier nicht nur als Straftatbestände, sondern als Ausdruck narzisstischer Kränkungen, zerstörerischer Begierden und einer schleichenden Enthemmung, die lange im Verborgenen heranwächst. Hinter den Aktenbergen stehen Biografien, hinter den Urteilen innere Dramen. Täter inszenieren sich als Opfer, Opfer geraten in verhängnisvolle Abhängigkeiten, und die Wahrheit zeigt sich selten eindeutig.
Sogar Verbrechen von historischer Dimension - Taten an der Rampe des Konzentrationslagers Auschwitz - werden in ihrer psychologischen Struktur betrachtet: als radikaler Ausdruck ideologischer Verblendung, entgrenzter Macht und systematisch organisierter Menschenverachtung. Das Grauen erscheint nicht abstrakt, sondern als Ergebnis konkreter Entscheidungen konkreter Menschen.
Der Kommissar folgt Spuren, Indizien und Widersprüchen mit analytischer Präzision und einer feinen Sensibilität für Zwischentöne. Der Sachverständige hingegen dringt in Gesprächen, Explorationen und Gutachten zu jenen inneren Mechanismen vor, die Denken in Handeln verwandeln. Er fragt nach Kränkung und Größenfantasie, nach innerer Leere, nach der Dynamik von Macht und Ohnmacht.
In Verhören, Untersuchungen und vor Gericht verdichten sich die Fälle zu einem beklemmenden Panorama seelischer Extremzustände. Rationalität ringt mit Unbegreiflichem, Empörung mit dem Anspruch auf Verstehen.
Die geschilderten Verbrechen sind real und tatsachenbasiert. Sie beruhen auf wahren Geschehnissen - literarisch verdichtet, doch im Kern authentisch. Gerade diese Nähe zur Wirklichkeit verleiht dem Text seine besondere Intensität.
Dieses Buch ist kein üblicher Kriminalroman, sondern eine literarische Aufarbeitung und psychodynamische Analyse realer Taten. Es erkundet die fragile Grenze zwischen Zivilisation und Abgrund, zwischen normativer Ordnung und innerer Entgrenzung.
Ein eindringlicher Versuch, die Abgründe menschlichen Fehlverhaltens auszuloten.
Über den Autor: Martin Albrecht, geb.1943 in Schwäbisch Gmünd, aufgewachsen in Plüderhausen im Remstal, Studium von Psychologie, Philosophie und Medizin. Promotion zum Dr.med., Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie, drei Jahrzehnte als Chefarzt in einer großen psychiatrischen Klinik tätig; sehr umfangreiche forensisch- psychiatrische Betätigung an zahlreichen Gerichten in Deutschland; insbesondere im Bereich Tötungsdelikte und Sexualdelinquenz. Verheiratet und zwei Kinder. Lebt am Niederrhein in Nettetal. Jazzpianist und Autor.
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