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Das wilde Spiel
Fussball zwischen Dorfkultur globalem Grössenwahn
Geistes-, Sozial- & Kulturwissenschaften
ePUB
1,0 MB
DRM: Wasserzeichen
ISBN-13: 9783696350499
Verlag: BoD - Books on Demand
Erscheinungsdatum: 19.06.2026
Sprache: Deutsch
Barrierefreiheit: Zugänglich
erhältlich als:
CHF 6.50
inkl. MwSt.
sofort verfügbar als Download
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Mehr InfosFussball entsteht in diesem Buch dreimal:
In der europäischen Gesellschaft als subversives und rohes Volksspiel, bereits 1314 in einem Erlass der Obrigkeit als football bezeichnet und verboten, überlebte es in den Public Schools einer aufstrebenden bürgerlichen Elite, wurde dort pädagogisiert und salonfähig gemacht, von ehemaligen Schülern mit einem Regelwerk gezähmt und in einen Sport und Wettbewerb verwandelt, mit Verbänden institutionalisiert und mit dem britischen Empire in der Welt verbreitet.
Bei mir persönlich mit einem zusammengeknoteten Taschentuch in unserer kleinen Wohnung in Zürich-Albisrieden und, nachdem der Hauswart die Wiesen für unsere Leidenschaft freizugeben bereit war, auch vor dem Haus. Mein erster Trainer in unserem Quartierverein machte aus mir einen brutalen Verteidiger, nur durch einen lustigen Zufall wurde ich ein filigraner Mittelstürmer und bester Torschütze. Die Mittelschule und mein Ethnologie-Studium entfremdeten mich dem Milieu des Vereins. Bei den Fussballern galt ich als »fauler Student«, bei den Akademikern als »primitiver Fussballer«.
In einem Verein: Gerade mal der Schule entwachsen, gründeten 1913 bisher auf Straßen, in Hinterhöfen und illegal auf dem Kasernenareal kickende Jungs aus dem Züricher Kreis 4 im Restaurant National einen richtigen Fussballverein: den Ballspielclub Zürich, der nach langer Wanderschaft 1958 in Albisrieden strandete.
Das Buch oszilliert zwischen den drei Ebenen und beleuchtet so die »Totalität« eines kulturellen Phänomens. Dabei entfalte ich langsam meine These: Amateur-Fussballvereine versuchen, Gleichheit zu schaffen und Veränderungen aufzuhalten. Sie erscheinen nicht wie nach kapitalistischen Prinzipien funktionierende Gemeinschaften, weil Gegenseitigkeit gilt, man Geld meidet, sich nicht vergrössern will und man sich gegenseitig kennt. Einfluss und Macht wird via Prestige und damit ohne Zwangsmittel geregelt und schliesslich wird ein mythisches Geschichtsverständnis gepflegt. Diese »Stämme« bilden den eigentlichen Kern der Erfolgsstory »Fussball«, weil sie für lokale Identität in unserer Massengesellschaft bemüht sind und vorerst noch dem grössenwahnsinnigen Profisport widerstehen.
In der europäischen Gesellschaft als subversives und rohes Volksspiel, bereits 1314 in einem Erlass der Obrigkeit als football bezeichnet und verboten, überlebte es in den Public Schools einer aufstrebenden bürgerlichen Elite, wurde dort pädagogisiert und salonfähig gemacht, von ehemaligen Schülern mit einem Regelwerk gezähmt und in einen Sport und Wettbewerb verwandelt, mit Verbänden institutionalisiert und mit dem britischen Empire in der Welt verbreitet.
Bei mir persönlich mit einem zusammengeknoteten Taschentuch in unserer kleinen Wohnung in Zürich-Albisrieden und, nachdem der Hauswart die Wiesen für unsere Leidenschaft freizugeben bereit war, auch vor dem Haus. Mein erster Trainer in unserem Quartierverein machte aus mir einen brutalen Verteidiger, nur durch einen lustigen Zufall wurde ich ein filigraner Mittelstürmer und bester Torschütze. Die Mittelschule und mein Ethnologie-Studium entfremdeten mich dem Milieu des Vereins. Bei den Fussballern galt ich als »fauler Student«, bei den Akademikern als »primitiver Fussballer«.
In einem Verein: Gerade mal der Schule entwachsen, gründeten 1913 bisher auf Straßen, in Hinterhöfen und illegal auf dem Kasernenareal kickende Jungs aus dem Züricher Kreis 4 im Restaurant National einen richtigen Fussballverein: den Ballspielclub Zürich, der nach langer Wanderschaft 1958 in Albisrieden strandete.
Das Buch oszilliert zwischen den drei Ebenen und beleuchtet so die »Totalität« eines kulturellen Phänomens. Dabei entfalte ich langsam meine These: Amateur-Fussballvereine versuchen, Gleichheit zu schaffen und Veränderungen aufzuhalten. Sie erscheinen nicht wie nach kapitalistischen Prinzipien funktionierende Gemeinschaften, weil Gegenseitigkeit gilt, man Geld meidet, sich nicht vergrössern will und man sich gegenseitig kennt. Einfluss und Macht wird via Prestige und damit ohne Zwangsmittel geregelt und schliesslich wird ein mythisches Geschichtsverständnis gepflegt. Diese »Stämme« bilden den eigentlichen Kern der Erfolgsstory »Fussball«, weil sie für lokale Identität in unserer Massengesellschaft bemüht sind und vorerst noch dem grössenwahnsinnigen Profisport widerstehen.
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