Der (un)heimliche Atomminister und die Gier nach Plutonium
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Der (un)heimliche Atomminister und die Gier nach Plutonium

Atompolitische Irrwege der Bundesrepublik unter dem Einfluss industrieller Lobbyinteressen

Ulrich Kleemann

Geschichte & Biografien

ePUB

8,5 MB

DRM: Wasserzeichen

ISBN-13: 9783696347543

Verlag: BoD - Books on Demand

Erscheinungsdatum: 16.07.2026

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Atompolitik, Kernenergie, Wiederaufarbeitung, Chemieindustrie, Atombombe

Barrierefreiheit: Eingeschränkt zugänglich

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Nicht die Politik, sondern industrielle Lobbyinteressen haben die Atompolitik der frühen Bundesrepublik in folgenschwere Fehlentscheidungen zu Lasten des Staatshaushaltes gelenkt. Dabei war nicht die Gewinnung kostengünstiger Energie treibendes Motiv, sondern die friedliche Nutzung lediglich ein Deckmantel für andere Interessen. Dies lässt aktuelle Diskussionen um den Wiedereinstieg in die Kernenergie in neuem Licht erscheinen und macht die Geschichte der Kernenergie hochaktuell.
Zentraler Akteur bei der Plutonium-über-alles-Politik, für die es keine friedlichen Nutzungsoptionen gab, war der langjährige Hoechst-Vorstandsvorsitzende und Präsident des Atomforums, Karl Winnacker. Von Zeitgenossen wurde er als heimlicher Atomminister bezeichnet, da er die Richtlinien der Atompolitik maßgeblich lenken konnte. Der IG FARBEN-Kronprinz bediente sich bei seiner Politikbeeinflussung derselben Methoden, die die IG FARBEN in den beiden Weltkriegen zur Perfektion gebracht hatten. Geradezu meisterhaft verstand er es, ein enges Netzwerk von Gefolgsleuten an zentralen Schaltstellen zu platzieren. Alle wichtigen Organisationen auf europäischer und nationaler Ebene waren bis Mitte der 1970er Jahre mit ehemaligen IG-FARBEN- und/oder HOECHST-Mitarbeitern besetzt. Aufgrund alter Kartellverbindungen flossen über den amerikanischen Konzern DU PONT zudem Erfahrungen aus dem Manhattan Project und damit dem Bau der amerikanischen Wasserstoffbombe in die bundesdeutschen Atompläne ein.
Virtuos verstand der Atomlobbyist auch die Vermeidung finanzieller Risiken für sein Unternehmen. Wie ein roter Faden zog sich der Streit zwischen Staat und Industrie um die Finanzierung, wobei Winnacker zwar überall bestimmen, aber möglichst wenig bis gar nichts zahlen wollte. Hervorragendes Beispiel für diese Praxis zum Schaden des Staates war unter anderem die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, deren Rückbau noch bis mindestens 2063 andauern wird und Kosten in Höhe von geschätzt 7,5 Mrd. Euro erfordern wird - ohne Beteiligung der Chemieindustrie, versteht sich. Der Atomlobbyist Winnacker hatte die Bundesrepublik auf einen teuren Irrweg geführt und großen gesellschaftlichen Schaden angerichtet, ohne selbst finanzielle Risiken zu tragen. Der heimliche Atomminister war tatsächlich ein unheimlicher Atomminister.
Ulrich Kleemann

Ulrich Kleemann

Der promovierte Geologe Ulrich Kleemann (geb. 1955) nahm leitende Funktionen in öffentlichen Verwaltungen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene wahr. Als Fachbereichsleiter beim Bundesamt für Strahlenschutz erwarb er tiefe Einblicke in die Probleme der Kernenergie. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten in dieser Zeit sämtliche Endlagerprojekte des Bundes, die Genehmigungen für Transporte und die Zwischenlagerung von abgebrannten Kernbrennstoffen. Maßgeblich wirkte er an der Aufdeckung der Probleme des Endlagers Asse mit und stellte als Technischer Geschäftsführer nach dem Betreiberwechsel die Weichen für eine Sanierung des maroden Bergwerkes.
Mit einem viel beachteten Gutachten zu dessen Nichteignung leistete er einen wichtigen Beitrag zur Beendigung der Endlagerpläne im Salzstock Gorleben. Kleemann arbeitete im Gorleben-Untersuchungsausschuss mit und war als Wissenschaftler Mitglied der Endlagerkommission des Deutschen Bundestages, die die Grundlage für das Standortauswahlverfahren für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle schaffte. Der Autor ist für seine akribische Recherche und exaktes wissenschaftliches Arbeiten bekannt.

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