Auf fünftausend Metern, im Schatten des Everest, versammelt sich eine kleine Gruppe, um über Menschenrechte nachzudenken: eine Juristin, ein ehemaliger politischer Gefangener, eine Journalistin, ein tibetischer Lehrer, ein Sherpa, ein junger Träger. Mit ihnen ist von Anfang an eine andere Gegenwart im Raum: die Krümmerin, jene alte Frau mit Radio, Tee, Bleistift und einer eigentümlichen Souveränität, die weniger erklärt als feststellt. Was als Gespräch über Recht, Schutz und Begründung beginnt, gerät in der dünnen Luft des Base Camps rasch aus der Bahn. Denn hier oben tragen die Begriffe nicht mehr von selbst, und hinter jedem Satz steht ein Leben, das längst an einer unsichtbaren Stelle gebogen worden ist.
Likekes "Dichtere Luft. Sieben Schulden und ein weiteres Klopfen" ist ein poetisch-philosophisches Theaterstück von seltener atmosphärischer Dichte. Zwischen flackernder Gaslaterne, kaltem Tee, einem Stein, einem Karabiner, einem Flachmann und einem Radio, das Stimmen empfängt, die es nicht geben dürfte, entsteht ein Kammerspiel, in dem nicht nur politische Ordnungen, sondern auch die inneren Verformungen der Figuren sichtbar werden.
Die Figuren dieses Stücks sind nicht Träger von Positionen, sondern Existenzen an ihren Grenzen. Nadia schreibt und zählt gegen einen inneren Einsturz an; Okoro spricht mit der Kälte eines Mannes, der mit dem Leben beinahe abgeschlossen hat; Dawa trägt Berg, Familie und Schuld zugleich; Irène lebt von der Härte des Funktionierens, bis auch diese Form der Selbstbeherrschung brüchig wird; Tenzin bringt einen Stein mit, der mehr bezeugt als jede Theorie. Aus ihren Stimmen wächst kein fertiges System, sondern ein tastender, gefährdeter Satz über Atem, Innenraum, Stimme, Erinnerung, Anwesenheit, Grenze und Wärme. Gerade darin liegt die eigentliche Kraft dieses Textes: Er entwirft Menschenrechte nicht als beruhigende Formel, sondern als letzten, prekären Versuch, das Verletzliche im Menschen gegen Staat, Markt, Familie, Tradition und gute Absicht zu verteidigen.
"Dichtere Luft. Sieben Schulden und ein weiteres Klopfen" ist ein Stück über Schuld und Zeugenschaft, über das, was Menschen verbiegt, und über das, was von ihnen bleibt, wenn die Sprache der Ordnung zu dünn geworden ist. Ein metaphysisch aufgeladenes, sprachmächtiges Drama über den Wunsch, unter allen Formeln und Verletzungen doch noch auf einen Grund zu stoßen, der trägt.
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