Im Wald wird nicht nur geschlichen, gefressen und geschlafen. Im Wald wird gearbeitet.
Denn dort, wo du nur Moos und Wurzeln siehst, betreiben Dachse die erstaunlichsten Unternehmen: Sie schicken Kibitze als Postboten in ferne Waldgegenden, bauen sichere Höhlenhäuser für Tiere, reparieren verletzte Bäume mit Harz und Holzschienen und eröffnen sogar eine Bank, die Nüsse nicht nur bewacht, sondern vermehrt. Und wenn der Winter kommt, wenn alles knapp wird und die Tage kürzer werden, zeigen diese stillen Haudegen, wie viel Erfindung in einem Wald stecken kann.
In zehn Kapiteln lernst du zehn eigenständige Dachskonzerne kennen. Jeder Betrieb ist eine eigene Welt, voller Details, Regeln und Tricks, die so verrückt klingen, dass man lachen will, und sich dann doch so anfühlen, als könnten sie wirklich funktionieren. Ein Buch zum Staunen, Schmunzeln und Mitdenken, für alle, die glauben, der Wald sei nur Natur.
Herold zu Moschdehner lebt am Rand von Bobitz, dort, wo die letzten Gärten ausfransen und der Wald bereits mitredet. Er ist ein stiller Beobachter, ein apartes Original, das lieber lauscht als laut wird und lieber Umwege geht, wenn sie an einer interessanten Spur vorbeiführen. Neben seinem Haus hat er sich ein Erdloch eingerichtet, schlicht und verborgen wie ein zweites Zuhause. Dort schreibt er, sammelt, denkt nach und verschwindet manchmal ganz bewusst aus der Geräuschwelt der Menschen.
Weil dieses Erdloch so nah am Waldrand liegt, ist Moschdehner mit den unsichtbaren Nachbarn vertrauter als andere. Für ihn sind Dachse keine "Tiere irgendwo da draußen", sondern Anwohner mit eigenen Gewohnheiten, Wegen und Arbeiten. Er kennt die Stellen, an denen die Erde frisch umgeworfen ist, die nächtlichen Trampelpfade, das leise Scharren, das man nur hört, wenn man selbst still genug ist.
Sein bester Freund ist dabei ausgerechnet ein Dachs. Er kommt oft, ohne Ankündigung, wie es sich gehört. Manchmal früh, wenn der Tau noch auf den Halmen steht, manchmal abends, wenn der Wald schon dunkler wird. Dann sitzt der Dachs am Eingang des Erdlochs, schnuppert kurz, als würde er prüfen, ob alles in Ordnung ist, und bleibt. Moschdehner spricht wenig, der Dachs auch. Aber zwischen den beiden gibt es eine Verlässlichkeit, wie man sie nur am Waldrand findet.
Aus dieser besonderen Nachbarschaft stammen Moschdehners Geschichten über die Dachse. Nicht als Märchen, sondern als Berichte aus nächster Nähe. Denn wer einen Dachs zum Freund hat, lernt schnell: Im Wald wird nicht nur gelebt. Im Wald wird organisiert.
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