Die Natur antwortet dem Menschen, wenn er wieder zu lauschen beginnt.
Es beginnt mit einem Gang über Sylt, mit Wind und weitem Himmel, mit dem Watt, das sich zurückzieht und wiederkehrt, mit einer Pflanze am Weg, einem Feuerstein in der Hand, einem unscheinbaren Sandkorn, das im Licht plötzlich mehr zu erzählen scheint, als seine geringe Grösse erwarten lässt. Und während der Mensch weitergeht, verändert sich sein Blick.
Der Rohrkolben erzählt von der Kraft, die im Verborgenen wächst, der Queller vom Leben an einer beweglichen Grenze, die Distel von Schutz und Öffnung, die Rose von der reifen Fülle, der Strandhafer von jenem unsichtbaren Grund, aus dem Aufrichtung möglich wird, und im einzelnen Sandkorn beginnt etwas vom grossen Zusammenhang der Welt aufzuleuchten.
Auf diesem Weg tritt Friedrich Schiller immer näher an den Leser heran. Seine Fragen nach Freiheit, Würde, Schönheit und der Bildung des Menschen verbinden sich mit den Gestalten der Natur, bis am Weststrand Hippokrates hinzukommt und aus dem Gang am Meer eine aussergewöhnliche Zwiesprache zwischen Dichter und Arzt, Leib und Geist, Heilkunst und Dichtung entsteht.
Beide schauen auf den Menschen, wie die Natur ihn zeigt: als ein Wesen im Werden, getragen von Kräften, die eine Richtung suchen, berührt von Verletzung und Erinnerung, begabt mit Freiheit und mit jener besonderen Möglichkeit, aus Erfahrung Bewusstsein, aus Bewusstsein Verantwortung und aus dem eigenen Leben eine Antwort entstehen zu lassen.
So führt dieser Weg immer tiefer in jene stille Beziehung zwischen Mensch und Natur, in der Lieben auch Sehen bedeutet, Achten, Hüten und Teilhaben, und in der ein Stein, eine Pflanze, eine Welle oder ein Korn Sand zum Anfang einer Erkenntnis werden kann.
Am Ende bleibt das Meer. Und mit seinem ewigen Kommen und Gehen bleibt eine Frage, die weit über diesen Strand hinausreicht: Wie antworten wir auf das Leben?
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