Die Früh- und hochmittelalterliche Siedlung am Petersteich bei Süpplingenburg wird in diesem Buch erstmals konsequent als funktionale Produktionslandschaft analysiert. Im Mittelpunkt steht nicht ein einzelner Fundplatz, sondern die Frage, wie spezialisierte Wirtschaftsorte im ländlichen Raum entstehen, organisiert sind und wieder verschwinden.
Auf der Grundlage archäologischer Befunde, fundierter Kontextanalyse und vergleichender Forschung zeichnet das Werk den vollständigen Entwicklungsbogen der Grubenhaussiedlung nach: von ihrer Etablierung im Zuge des Landesausbaus über eine Phase intensiver handwerklicher Spezialisierung, insbesondere im Textilhandwerk, bis hin zur geordneten Aufgabe infolge struktureller Veränderungen von Herrschaft, Verkehr und Nachfrage.
Dabei wird die Siedlung nicht als autarkes Dorf, sondern als funktionaler Vorfeldraum eines herrschaftlichen Zentrums interpretiert. Arbeit, Alltag und soziale Ordnung werden aus der Logik der Produktion heraus rekonstruiert. Die Wüstung erscheint nicht als Zeichen des Scheiterns, sondern als Ausdruck rationalen Strukturwandels.
Das Buch versteht Süpplingenburg als Modellfall hochmittelalterlicher Produktionslandschaften und leistet damit einen grundlegenden Beitrag zur Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialarchäologie des europäischen Hochmittelalters.
Guido Ide, Jahrgang 1971, ist Pädagoge der Erwachsenenbildung und freiberuflicher Referent. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von historischer Bildung, gesellschaftlicher Ordnung und der Frage, wie Menschen ihre Lebens- und Arbeitswelten organisieren. Ein besonderes Interesse gilt der europäischen und ostfälischen Geschichte sowie den Strukturen, die Alltag, Arbeit und Zusammenleben über Jahrhunderte geprägt haben.
Es sind momentan noch keine Pressestimmen vorhanden.