Vor fünfzig Jahren waren sich die fortschrittlichen deutschen Theologen, die Herausgeber der sogenannten Protestantenbibel vom Jahre 1872, zehn überaus gelehrte und tüchtige Männer, einig, daß die Offenbarung des Johannes ursprünglich gar kein christliches, sondern ein jüdisches Werk gewesen sei und erst durch eine spätere Bearbeitung ihre jetzige Form angenommen habe. Und so deutet auch trotz der Bearbeitung nichts darauf hin, daß die übernatürliche Gestalt, von der hier berichtet wird, etwas gemein hat mit dem jungen Zimmermann, Maurer oder Laienprediger aus Galiläa, von dem im Evangelium nach Markus erzählt wird. [Aus dem Text] Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1925, erschienen im Erich Reiss Verlag, Berlin. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Georg Brandes (1842-1927), dänischer Literaturkritiker, Philosoph und Schriftsteller, studierte Rechtswissenschaften und Philosophie an der Universität Kopenhagen und schloß sein Studium mit einer Dissertation über französische Philosophen ab. Brandes bereiste halb Europa, lebte zwischen 1877 und 1882 in Berlin und wurde 1902 zum Professor für Philosophie an die Universität Kopenhagen berufen. Seinen Reden und Publikationen im deutschsprachigen Raum war das erwachende Interesse für die nordische Literatur zu verdanken. Er schrieb geistreiche Essays und Biografien z. B. über Goethe, Michelangelo, Shakespeare oder Voltaire. Sein Werk zeigt Einflüsse von Hippolyte Taine, Charles-Augustin Sainte-Beuve, Auguste Comte und John Stuart Mill. Früh hob er als engagierter Vorkämpfer für emanzipatorische Ideen Søren Kierkegaard hervor. Schon 1888 hielt Brandes Vorlesungen über Friedrich Nietzsche, mit dem er in Briefkontakt stand, und machte dessen Philosophie in Dänemark bekannt. 1897 wurde Brandes in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Thomas Mann bescheinigte ihm echte Künstlerschaft in seinem Wirken als Kritiker.
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