Die Offenbarung des Johannes. Wer Ohren hat, der höre.
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Die Offenbarung des Johannes. Wer Ohren hat, der höre.

Die Offenbarung als das Dokument einer Zeitenwende.

Alfred Leinemann

Band 2: Ein Atheist liest die Bibel

Spiritualität & Esoterik

ePUB

347,0 KB

DRM: Wasserzeichen

ISBN-13: 9783696320010

Verlag: BoD - Books on Demand

Erscheinungsdatum: 04.06.2026

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Christentum Tempeljudentum, Römerbrief Matthäus Lukas Evangelien Apostelgeschichte Paulusbriefe, Buch Daniel Mann in Leinen Gabriel Michael, Bürgerkrieg Tempelsturz Rom das große Tier 666 Nero Elia Moses Korinther Thessalonicher Galater, Dochorn Collins Orwell 1984 Goethe Faust

Barrierefreiheit: Voll zugänglich

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Die Offenbarung des Johannes gilt gemeinhin als Buch voller Rätsel, als Vision vom Jüngsten Gericht und von den Katastrophen am Ende der Welt. Ihre Bilder haben Selbstverständnis und Endzeitvorstellungen des Christentums nachhaltig geprägt.
Doch was, wenn die Offenbarung gar nicht als Buch der Christen geschrieben wurde? Was, wenn sie das letzte Buch des Tempeljudentums ist und vom Untergang der eigenen Geschichte und vom Sieg der neuen Religion unter der Führung des Lamms berichtet?
Dann wären die Bilder der Offenbarung keine Beschreibung einer fernen Zukunft, sondern ein Bericht über bereits geschehene Ereignisse. Johannes spricht in den Bildern der Propheten und Psalmen. Er verarbeitet das Trauma von Krieg und Tempelsturz, während sich eine Bewegung ausbreitet, die den Gott Israels Schritt für Schritt aus der Geschichte verdrängt und den Reiter, der "Treu und Wahrhaftig" heißt, als den neuen HERRN feiert.
Viele Szenen erschienen so in neuem Licht: Die Sendbriefe wären ein verdichteter Abriss paulinischer Themen; Lamm und Tiere werden zu Trägern und Repräsentanten eines neuen religiösen Machtanspruchs. Die Offenbarung wird zu einem Text mit konkreten historischen Bezügen, eindeutig benannten Gegnern von außen und Verrätern von innen.
Wer die Offenbarung so liest, begegnet keinem Buch des Trostes. Sie ruft nicht zu Standhaftigkeit und Tapferkeit angesichts der großen Prüfung auf, sondern mahnt zu Vorsicht und gesundem Misstrauen. Sie warnt vor schleichender Unterwanderung, vor falschen Propheten und vor der Macht der Lieder und Gesänge.

Wer Ohren hat, der höre.

Das Buch ist für Exegeten nicht geeignet, weil es sich vollständig außerhalb der klassischen Deutungen bewegt und damit innerhalb des üblichen Rahmens weder diskussions- noch anschlussfähig ist. Es ist nicht für Christen geeignet, weil es vertraute Bilder und Erzählungen in Frage stellt, alte Gewissheiten zu Täuschungen erklärt und zeigt, wie eine Religion von innen ausgehöhlt wird und schließlich zusammenbricht. Für Juden ist es nicht geeignet, weil es nahelegt, dass das letzte Buch des Tempeljudentums 2000 Jahre lang nicht als genau das erkannt wurde. Und genauso wenig ist es für Atheisten geeignet, weil es Fragen beantwortet, die ein Atheist ohne dieses Buch ohnehin nicht gehabt hätte.

leinemann@mailbox.org
Alfred Leinemann

Alfred Leinemann

Aus der privaten Lektüre der Bibel "dem Interesse halber" wurde ein Schreibprojekt über die Texte des Neuen Testamentes. Dabei verbindet der Autor eine kritische Lesart und den Versuch der Interpretation aus der Entstehungsperspektive der Texte selbst. Spätere Überlagerungen und nachträgliche Deutungen werden so weit wie möglich ausgeblendet.
Über allen Betrachtungen schwebt die Frage, wie weit eine atheistische Lesart in religiösen Texten trägt. Sie trägt sehr weit. Es geht dem Autor nie darum, Glaube und Religion als abwegig darzustellen und aus dieser Ablehnung heraus gegen die Texte zu argumentieren. Im Gegenteil. Der Autor lässt sich vollends auf die Logik der Texte ein und verlangt ihnen damit alles ab.

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