Das Manuskript erzählt in autobiografischer Form die Geschichte einer jahrzehntelangen Essstörung, die sich von einer Magersucht im Jugendalter zu einem kaum sichtbaren, aber tiefgreifend zerstörerischen Muster aus Kauen und Spucken entwickelte. Ausgangspunkt ist ein früher Moment der Selbstentfremdung, ein innerer Satz (Du bist zu dick), der Kontrolle, Scham und Perfektionismus in Gang setzt. Was als vermeintliche Disziplin beginnt, wird zu einem komplexen System aus Verzicht, Heimlichkeit und Selbstbestrafung.
Über viele Jahre gelingt es der Autorin, nach außen hin ein funktionierendes, erfolgreiches Leben als Ehefrau und Mutter zu führen. Innerlich jedoch bestimmen Zwang, ritualisierte Esshandlungen und permanente Selbstkontrolle ihren Alltag. Besonders eindrücklich schildert sie die Dynamik des Kauen und Spuckens als Suchtform, die weniger dem Körper als vielmehr der Regulation von Angst, Überforderung und dem Gefühl des Nicht-Genügens dient. Die Krankheit bleibt lange unsichtbar, auch für das unmittelbare Umfeld.
Parallel zur Selbstschilderung entfaltet das Buch eine durchgehende Metapher: die Auster, die ein schmerzhaftes Sandkorn Schicht um Schicht umhüllt, bis daraus eine Perle entsteht. Diese Bildsprache rahmt den inneren Heilungsprozess. Heilung wird nicht als plötzlicher Wendepunkt, sondern als leises, schrittweises Nachlassen des Kampfes beschrieben, als Rückkehr zu Selbstannahme, Körpervertrauen und innerem Frieden.
Im letzten Teil schildert die Autorin einen tief empfundenen Moment der Befreiung: kein dramatischer Bruch, sondern ein stilles Aufhören des inneren Zwangs. Die Sucht verliert ihre Funktion, weil Selbstverleugnung nicht mehr notwendig ist. Das Buch versteht sich nicht als Ratgeber, sondern als persönliches Zeugnis und als Einladung an Betroffene, das eigene Schweigen zu beenden und Heilung als Prozess der Wahrhaftigkeit zu begreifen.
Zentral sind die Themen Scham, Kontrolle, Identität, Körperwahrnehmung und Selbstannahme. Die Erzählung verbindet poetische Sprache mit schonungsloser Offenheit und macht eine wenig bekannte Essstörungsform sichtbar.
Dieses Buch habe ich viele Jahre in mir getragen. Schreiben konnte ich es erst, als ich selbst frei wurde von der Sucht. Dem ging ein langer, stiller Prozess voraus, in dem ich lernte, mich meinem Körper, meinem Essverhalten und mir selbst wieder zuzuwenden. Erst aus dieser inneren Freiheit heraus wurde es möglich, meiner Geschichte eine Stimme zu geben. Nicht erklärend oder rechtfertigend, sondern aus einer Haltung des Verstehens und der Klarheit. Ich schreibe, weil ich weiß, wie einsam sich verborgene Essstörungen anfühlen können. Weil ich erfahren habe, wie viel Kraft es kostet zu funktionieren, während innerlich ein Kampf tobt. Dieses Buch ist meine persönliche Reise und zugleich ein bewusstes Öffnen eines Raumes für Menschen, die sich darin wiederfinden. Es entstand aus dem Wunsch, ein Tabu sichtbar zu machen und Mut zu geben: Veränderung ist möglich.
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