Costa Rica gilt bis heute als Musterland in Mittelamerika, als ein Staat ohne Armee, mit stabiler demokratischer Verfassung, wirtschaftlicher Prosperität und einem im Vergleich zu seinen Nachbarländern relativ geringen Kriminalität. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind die 1940-1944 durch eine "Heilige Allianz" (E. Miller) von Christdemokraten, Kirche und Kommunisten eingeführten Sozialgesetze. Der Einfluss der katholischen Kirche begann bereits am Ende des 19. Jahrhunderts durch Bischöfe aus den Reihen deutscher Vinzentiner, die sich - angeregt durch die päpstliche Enzyklika Rerum Novarum - konsequent für die Interessen unterprivilegierter Schichten einsetzten. In ihrer dem Priesterseminar angegliederten Schule in der Hauptstadt San José, dem Colegio Seminario, wurden Generationen von staatstragenden Persönlichkeiten erzogen, darunter der spätere Staatspräsident Rafael A. Calderón und der spätere Erzbischof Victor Sanabria, in deren Amtszeit die Sozialgesetzgebung erfolgte. Das Buch beleuchtet Strukturen und geistige Ausrichtung des Colegio Seminario, das neben dem belgischen Code de Maline einen wesentlichen Einfluss auf die Protagonisten der costaricanischen Sozialreform ausgeübt haben dürfte.
Franz Josef Burghardt, geb. 1952 in Waldbröl, studierte Mathematik, Physik, Philosophie, Geschichte und Jura an der Universität zu Köln. Nach seinem Diplom in Mathematik promovierte er 1979 zum Dr. rer. nat. bei dem Heisenberg-Schüler Peter Mittelstaedt mit einer Studie zur Sprache der Quantenmechanik, 1992 folgte die Promotion zum Dr. phil. bei dem Preußen-Historiker Johannes Kunisch mit der Dissertation über die Sozialstruktur des Geheimen Rats der Herzogtümern Jülich und Berg zur Zeit der Kurfürsten Johann Wilhelm und Karl Philipp. Es folgten weitere Studien zur Rechtsgeschichte und Fragen der modernen Linguistik. Nach einer zehnjährigen Tätigkeit in der Kölner Kommunalpolitik widmete Burghardt sich dem 1609 beginnenden Jülichen Erbfolgestreit und veröffentlichte mehrere Arbeiten über den brandenburgischen Diplomaten Nikolaus Langenberg. 2012 erschien sein Buch "Zwischen Fundamentalismus und Toleranz. Calvinistische Einflüsse auf Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg vor seiner Konversion". Nach mehrjährigen Forschungen zum deutschen Geheimdienst in Nordfrankreich 1940/44, durchgeführt gemeinsam mit seiner Frau in zahlreichen europäischen Archiven, erschienen ab 2018 mehrere Veröffentlichungen zu diesem Thema, zuletzt "Geheimdienst der V1" (2023). Neben seinen historischen Studien widmete sich Burghardt wissenschaftstheoretischen Fragen, insbesondere zur Sprache der modernen Physik, zur Bedeutung der Personalpronomina und des Wortes "Zeit" in der Tradition von Augustinus und Wittgenstein.
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