Die Schweiz entscheidet viermal im Jahr über ihre Zukunft - in vier Minuten. Über Infrastrukturen, die 70, 80, manchmal 100 Jahre Bestand haben werden. Über Weichenstellungen, die das Leben der Generationen von 2050, 2075 und 2100 prägen werden. Doch niemand legt offen, wohin diese Reise führt. Dieses Manifest analysiert einen strukturellen Fehler der Schweizer Direktdemokratie: Sie ist auf Kurzfristigkeit ausgelegt, obwohl die Konsequenzen ihrer Entscheide weit in die Zukunft reichen. Wer heute für den Klimaschutz stimmt und gleichzeitig auf Gemeindeebene die notwendige Verdichtung ablehnt, handelt nicht widersprüchlich - er hat schlicht nie die Möglichkeit gehabt, diese beiden Entscheide in Beziehung zu setzen. Die Lösung ist einfacher als gedacht: Ein Szenarien-Label im Abstimmungsheft - analog zum Nutri-Score auf der Lebensmittelverpackung - würde jedem Stimmzettel eine wissenschaftlich fundierte Langzeitperspektive beifügen. Die wissenschaftliche Grundlage dafür existiert bereits: Im WSL-Bericht 193 haben 59 Forscherinnen und Forscher aus 20 Schweizer Institutionen fünf konsistente Zukunftsszenarien für die Schweiz bis 2100 entwickelt. "Die Schweiz im Blindflug" zeigt, wie dieses Wissen in die Hände der Stimmbevölkerung gelangen kann - ohne Bevormundung, ohne Diktat, aber mit einer Frage, die das Abstimmungsbüchlein nie stellt: Welches Jahrhundert füttere ich mit meinem Ja oder Nein?
M. Stern ist Schweizer Autor und Unternehmer mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit. Sein Interesse gilt der Schnittstelle zwischen demokratischen Entscheidungsprozessen und langfristiger gesellschaftlicher Entwicklung. Mit "Die Schweiz im Blindflug" legt er sein erstes Manifest vor - einen Impuls fur eine ehrlichere und zukunftsorientierte Abstimmungskultur in der Schweiz.
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