Jeden Morgen, während des Stuttgarter Frühlingsfestes oder des Cannstatter Volksfestes, wenn der Wasen noch schläft, beginnt hinter einer Graffiti-Mauer die Schule. Seit 2015 lernen Kinder von Schaustellerinnen und Schaustellern in der Wasenschule Stuttgart, einem Bildungsmodell, das aus bürgerschaftlichem Engagement entstanden ist. Ehrenamtliche Bildungspatinnen und Bildungspaten begleiten die Kinder im Eins-zu-eins-Unterricht. Kinder, die bis zu dreißig Mal im Jahr die Schule wechseln und die ständig unterwegs und selten lange an einem Ort sind, stehen morgens freiwillig vor der Tür. Michael Widmann, Initiator der Wasenschule und langjähriger Bereichslehrer für Kinder beruflich Reisender in Baden-Württemberg, erzählt, wie dieses Modell entstanden ist, was es trägt und warum es anderswo genauso möglich wäre. Das Buch richtet sich an engagierte Bürgerinnen und Bürger und an alle in Politik und Bildung, die Verantwortung für die Beschulung von Schaustellerkindern tragen.
Michael Widmann begann 1997 als Lehrer im Circus KRONE und entdeckte dort, was Kinder brauchen, wenn Schule nicht selbstverständlich ist. Als Bereichslehrer für Kinder beruflich Reisender in Baden-Württemberg wurde daraus eine Lebensaufgabe. Das Grundproblem hat sich in all den Jahren nicht verändert: Kinder, die dreißig Mal im Jahr die Schule wechseln, gehören nirgends dazu. Widmann ist diesem Problem nicht mit Studien begegnet, sondern mit Pragmatismus, mit einem Koffer voller Unterrichtsmaterial, einem Raum hinter einer Graffiti-Mauer und Menschen, die bereit waren anzufangen. Die Wasenschule ist sein bekanntestes Projekt. Dieses Buch ist seine Einladung an andere, es nachzumachen.
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