Rafael Sousa kommt nach Pico, um ein Buch über das Scheitern zu schreiben. Der Arbeitstitel steht seit Monaten fest: Die Unverbesserlichen: Warum gute Ideen an der Wirklichkeit scheitern. Er braucht nur noch die Menschen, die es beweisen.
Im Oktober führt das heraufziehende Unwetter sie in einem alten Walfängerhaus zusammen: eine Investmentbankerin aus Zürich, ein ehemaliger Minister aus London, eine Theologin aus Lagos, ein Klimawissenschaftler aus Tokio und eine Unternehmerin aus Hamburg. Und Dona Beatriz, der das Haus gehört und die wenig sagt.
Noch bevor Sousa ihre Namen kennt, hat er ihnen Überschriften gegeben: Kapital verteidigt sich selbst. Macht erklärt ihre Ohnmacht. Wissen ohne Wirkung.
Dann fällt der Strom aus, und sie beginnen zu erzählen. Von Thomas, der nach elf Jahren entlassen wurde, weil ein Bauteil in Ostasien nur etwa die Hälfte kostete. Von Isabel, die zu lange mit dem Arzt wartete, weil sie ihr Leben lang gelernt hatte, dass jede Rechnung eine Gefahr ist. Von Emeka, dreiundzwanzig, gestorben an einer behandelbaren Infektion, jeder einzelne Satz der Zuständigen klang vernünftig, zusammen bedeuteten sie seinen Tod.
Am zweiten Tag reißt eine Böe Sousa die Seiten aus der Hand. Ein Blatt landet vor den Schuhen der Bankerin. Sie liest seine Urteile über sich und die anderen laut vor. Von da an ist er nicht mehr der, der die Fragen stellt.
Drei Tage lang kann niemand ausweichen. Sie streiten über Geld, Arbeit, Energie und Steuern und darüber, was ein Mensch wert sein muss, bevor man ihn schützt. Niemand wird bekehrt. Niemand bleibt ohne Widerspruch. Aber jeder muss sich fragen, welche Entscheidung er selbst getroffen und wem er sie als Sachzwang verkauft hat.
Das System ist nicht böse. Es ist falsch konstruiert.
Eine Novelle über Verantwortung und darüber, wie leicht sich Schuld in eine kluge Erklärung verwandeln lässt.
M. F. van Aspen schreibt Romane an der Schnittstelle von politischer Realität und spekulativer Literatur. Seine Texte kreisen um Macht, Verantwortung, Erinnerung und das fragile Gleichgewicht, das menschliche Gesellschaften zusammenhält. Im Zentrum seines literarischen Interesses stehen verborgene Strukturen, historische Tiefenschichten und die Frage, wie individuelle Entscheidungen mit kollektiven Entwicklungen verwoben sind. Gegenwärtige politische Szenarien verbinden sich dabei mit mythischen und philosophischen Motiven, ohne erklärt oder kommentiert zu werden. M. F. van Aspen versteht sich nicht als Erzähler im klassischen Sinn, sondern als Beobachter von Übergängen. Seine Romane laden dazu ein, vertraute Wirklichkeiten neu zu betrachten und das Wirken unsichtbarer Kräfte hinter dem Offensichtlichen wahrzunehmen.
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