Der Roman lebt von Spindlers umfangreicher Bildung, der guten Ortskenntnis des Dichters, seiner Liebe zu diesem schönen Flecken Erde sowie seinem Humor. Es ist ein badischer Roman mit Herz, Schmerz, Lug und Trug sowie mit von verantwortungslosen Frevlern schwindelig geredeten und in die Irre geführten Zeitgenossen. Bewundernswert, wie kenntnisreich auch der menschlichen Psyche der Autor die Ereignisse um die sogenannte Badische Revolution mit ihrem Gesellschafts- und Zeitkolorit in seinem Roman unterbrachte. Er zeigte auf, wie frei die Menschen im Großherzogtum Baden Mitte des 19. Jahrhunderts waren, und dass sich nur die wenigsten von ihnen hatten vorstellen können bzw. wollen, was da in Friedenszeit auf sie zurollte, z. B. politische Vorlesungen im Fußtrittstil. Carl Spindler wurde einst viel gelesen, heute scheint er vergessen, weil die Gegenwart irrtümlich davon ausgeht, dass alle damaligen Probleme überwunden seien. Zu seinem 225. Geburtstag steht der letzte mehrbändige Roman dieses bedeutenden Dichters sowie Herausgebers und Kulturjournalisten transkribiert zur Verfügung, d. h. im heutigen Schriftbild mit behutsam modernisierter Orthographie und Interpunktion. Zusätzlich gibt es Informationen zu dieser Jubiläumsausgabe, einen Schattenriss zum Jubilar, eine Rezension seines Werkes sowie dessen Einordnung ins Heute.
(...)Spindler beweist seinen ausgeprägten Formensinn auch dadurch, dass er seinen Roman ganz wörtlich im Paradies beginnen und mit einem schlichten „Amen“ enden lässt. Silke Wenzel hat das Buch mit einem kenntnisreichen Begleittext und einem Anmerkungsapparat versehen; beides gibt –zumal im behutsam redigierten Romantext – dem heutigen Leser eine kleine Wissenshilfe an die Hand. Sie hat mit ihrer Neuauflage von Spindlers Roman eine Pioniertat vollbracht, die hoffentlich manchen Verlag veranlasst, ihrem Beispiel zu folgen und dem Werk eines zu Unrecht vergessenen Autors zu neuem Leben zu verhelfen.
Das Leben ist ja doch am Ende ein Schauspiel
Badisches TagblattNovember 2020
(...)Spindler beweist seinen ausgeprägten Formensinn auch dadurch, dass er seinen Roman ganz wörtlich im Paradies beginnen und mit einem schlichten „Amen“ enden lässt. Silke Wenzel hat das Buch mit einem kenntnisreichen Begleittext und einem Anmerkungsapparat versehen; beides gibt –zumal im behutsam redigierten Romantext – dem heutigen Leser eine kleine Wissenshilfe an die Hand. Sie hat mit ihrer Neuauflage von Spindlers Roman eine Pioniertat vollbracht, die hoffentlich manchen Verlag veranlasst, ihrem Beispiel zu folgen und dem Werk eines zu Unrecht vergessenen Autors zu neuem Leben zu verhelfen.