Zum ersten Mal sind hier, chronologisch geordnet, alle Grotesken Mynonas versammelt, ungekürzt, mit allen Varianten der Drucke und Entwürfe, sowie durchgehend kommentiert, - 263 Texte aus den Jahren 1903 bis 1947. Weit über ein Drittel war noch nie bzw. seit 1936 nie mehr publiziert. Die Edition ermöglicht das Studium einer arg vernachlässigten literarischen Form. Diese ist im Fall Mynona freilich kein Selbstzweck, sondern eine Nutzanwendung seiner polaristischen Indifferenzphilosophie. Mynona ist eben nicht bloß irgendein 'skurriler' 'Humorist' oder 'schnurriger' 'Satiriker' etc., sondern ein hellwacher Zeit- und Kulturkritiker, der seine unvermindert aktuellen Diagnosen und seine Vision einer Menschheitsutopie auf eine völlig neue Weise vorzutragen versteht: vom klassischen Deutsch bis zum schnoddrigsten Berliner Jargon. Das Spektrum reicht von Milieuskizzen und Familienszenen über Sozialsatiren (mit Hieben auf die Psychoanalyse), bissige Literaturparodien, Wissenschafts- und Religionskritiken bis zu scharfsichtigen politischen Interventionen und weiter zu phantastischen Technikvisionen und philosophischen Märchen.
(...)Fast namenlos ist er dem größeren Publikum bis heute geblieben, dieser 1933 aus Deutschland nach Frankreich geflohene, dem Holocaust in Verstecken entgangene und mit 75 Jahren in Paris völlig verarmt gestorbene Herr Friedländer/Mynona. Dabei war er einst bekannt und dank seiner genialischen Exzentrik auch berüchtigt genug, dass Künstler wie Alfred Kubin, Hans Bellmer und Georg Grosz seine Grotesken in Zeitschriften und Büchern illustrierten; dass ihn Kafka las und der superkritische Karl Kraus die nunmehr in Waldens prominenter Expressionistenzeitschrift "Der Sturm" erschienenen Mynona-Grotesken lobte.(...)
Der lachende Hiob
Tagesspiegel.deDezember 2009
(...)Fast namenlos ist er dem größeren Publikum bis heute geblieben, dieser 1933 aus Deutschland nach Frankreich geflohene, dem Holocaust in Verstecken entgangene und mit 75 Jahren in Paris völlig verarmt gestorbene Herr Friedländer/Mynona. Dabei war er einst bekannt und dank seiner genialischen Exzentrik auch berüchtigt genug, dass Künstler wie Alfred Kubin, Hans Bellmer und Georg Grosz seine Grotesken in Zeitschriften und Büchern illustrierten; dass ihn Kafka las und der superkritische Karl Kraus die nunmehr in Waldens prominenter Expressionistenzeitschrift "Der Sturm" erschienenen Mynona-Grotesken lobte.(...)