Dualität prägt unser Denken: positiv oder negativ, richtig oder falsch, Fortschritt oder Rückschritt, Vernunft oder Irrationalität. Solche Unterscheidungen können notwendig sein. Problematisch werden sie dort, wo sie sich zu geschlossenen Gegensätzen verfestigen und keine offene Prüfung mehr zulassen. Diese Schrift geht einer kritischen Rückfrage an die strukturgenetische Theorie und die theoretische Geltungslehre nach: Führt eine Denkbewegung, die mit Differenz, Negation, Positivform und Anschluss arbeitet, am Ende nicht selbst wieder in einen Dualismus zurück? Marko O. G. Schaumburg zeigt, dass die strukturgenetische Theorie keine Dualismuslehre ist. Sie leugnet duale Verhältnisse nicht, aber sie setzt sie auch nicht als letzte Ordnung. Dualität wird als begrenzte Strukturform verstanden, die in einen offenen Führungsraum eingebunden bleiben muss. Wahrheit erscheint dabei nicht als Besitz einer Seite, sondern als Rahmen, in dem Geltungsansprüche geprüft, begrenzt, korrigiert und fortgesetzt werden können. Im Zentrum steht die Frage, wie Negation gedacht werden kann, ohne sie als bloßen Abbruch oder als Gegensatz zum Positiven zu verstehen. Negation kann eine bestimmte Positivierung begrenzen und gerade dadurch neue Anschlussfähigkeit ermöglichen. Die Schrift führt diese Überlegung bis an die existenzielle Grenze der Fortsetzbarkeit, die im Anschluss an Albert Camus Frage nach dem Selbstmord philosophisch beleuchtet wird. Mit Bezügen zu Spinoza, Camus und Popper eröffnet "Jenseits der Dualität" eine konzentrierte Klärung der Dualismuskritik. Die Schrift richtet sich an Leserinnen und Leser mit Interesse an Philosophie, Wissenschaftstheorie, Anthropologie und offenen Gesellschaftsfragen. Sie zeigt: Jenseits der Dualität bedeutet nicht jenseits der Unterscheidung, sondern jenseits ihrer Verabsolutierung.
Marko O. G. Schaumburg ist Autor und Wissenschaftstheoretiker. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen die von ihm entwickelte strukturgenetische Theorie und die theoretische Geltungslehre. Beide Ansätze fragen nach den Bedingungen, unter denen Wahrheit, Differenz, Ordnung, Fortsetzbarkeit und ontische Zuschreibung überhaupt führbar werden. Ausgehend von Informatik, Systemanalyse, formaler Semantik, Ordnungstheorie und Wissenschaftslehre entwickelt Schaumburg eine eigenständige Denkbewegung, die klassische Gegensätze nicht einfach übernimmt, sondern auf ihre Geltungsbedingungen hin befragt. Seine Arbeiten verbinden philosophische Grundlegung mit wissenschaftstheoretischer Präzision und eröffnen neue Perspektiven auf Mathematik, Physik, Anthropologie, Pädagogik, Ökonomie und gesellschaftliche Ordnung. Die strukturgenetische Theorie setzt nicht bei fertigen Gegenständen, Subjekten oder Kategorien an, sondern bei den Bedingungen von Differenzführung, Anschlussfähigkeit und Weltbindung. Die theoretische Geltungslehre untersucht, wie Geltungsansprüche unter Wahrheit prüfbar, korrigierbar und fortsetzbar werden können. Schaumburg veröffentlicht philosophische Essays, wissenschaftslehrliche Schriften und Working Papers. Seine jüngeren Arbeiten behandeln unter anderem offene Ordnung, Differenzdynamik, kategoriale Wissenschaftslehre, Geltungskompetenz, Entlastungswohlstand und die Frage nach der Fortsetzbarkeit offener Gesellschaften. Er lebt und arbeitet in Nordhessen.
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