Als der Komponist Johann Christoph Kienlen seine "Zwölf Lieder von Goethe" im Jahre 1810 gedruckt in Händen hielt, kontaktierte er den Dichter, um ihm die Stücke vorstellen zu dürfen; Goethe scheint auf diesen Brief allerdings nicht reagiert zu haben. Einige Jahre später, wohl kurz vor Abschluss der Arbeit an seinen "Liedern aus Goethes Faust" nahm Kienlen im Dezember 1816 erneut Kontakt zu Goethe auf; der Dichter nahm die Existenz der Stücke zwar zur Kenntnis, scheint aber keine Zeit gefunden zu haben, sie sich vom Komponisten selbst vorspielen zu lassen. Erst 1826, also sechzehn Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme, wurde Kienlen die Ehre zuteil, ein paar seiner Goethe-Vertonungen dem von ihm verehrten Dichter persönlich vortragen zu dürfen. Der vorliegende Band enthält die beiden für Gesang mit Klavierbegleitung komponierten Sammlungen "Zwölf Lieder von Goethe" (1810) und "Lieder aus Goethes Faust" (1817) in einer neuen kritischen Ausgabe mit einem ausführlichen Vorwort und Dokumenten zur Entstehung der Stücke.
Markus Stachon arbeitet derzeit als Privatdozent für Klassische Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er ist Autor und Herausgeber mehrerer altphilologischer Fachbücher. Daneben bemüht er sich darum, in Vergessenheit geratene Vertonungen klassischer Literatur wieder zugänglich zu machen.
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