Leipzig-Grünau, Oktober 2001. Ein Plattenbau am Wendehammer, sechzehn Stockwerke, von 132 Wohnungen stehen 126 leer. Der Abriss ist beschlossen. Aber das Haus weiß, warum die letzten sechs Mieter noch da sind.
Thomas Brenner, vierter Stock, Lagerarbeiter, lebt allein in einer Wohnung ohne Bilder. Zwei Paar Schuhe stehen ordentlich an der Wand, der Platz daneben leer. Als es eines Abends an seiner Tür klopft und niemand im Flur steht, nimmt er den Schlüssel und geht hinunter.
Im dritten Stock, an dem er jeden Tag vorbeigeht ohne hinzusehen, eine Wohnungstür offen. Kinderjacken an der Garderobe. Ein gepackter Koffer griffbereit. Am Ende des Gangs eine geschlossene Tür.
In dieser Nacht lässt das Haus niemanden mehr hinaus. Die Treppe dreht sich in einer Schleife, die Fenster zeigen nur Nebel, die Telefone haben keinen Empfang. Vier Menschen, die einander kaum kennen, sitzen fest - und begreifen langsam, dass jeder von ihnen schon einmal vor einer Tür gestanden hat, hinter der jemand klopfte.
Marcel Richtsteiger, 1980 in Freiberg geboren, schrieb schon in seiner Jugend Kurzgeschichten und Gedichte. Nach vielen Jahren literarischer Entwicklung veröffentlichte er 2025 seinen ersten Roman.
Seine Texte sind stark charaktergetrieben und geprägt von Empathie: Für ihn gibt es keine eindimensionalen »bösen« Figuren, sondern nur Entscheidungen aus Schmerz, Angst oder Sehnsucht. Gefühle und Emotionen bilden den Kern seines Erzählens, jede Szene soll lebendig und spürbar wirken.
Neben dem Schreiben führt er als geschäftsführender Gesellschafter seine eigene IT-Firma und lebt mit seinem Mann in der Nähe von Leipzig.
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