Macht, Moral und Menschlichkeit: Späte Erzählungen über Verführung, Ordnung und den Preis der Freiheit
Ein Sommerurlaub im faschistischen Italien wird zum Albtraum: In "Mario und der Zauberer" schildert Thomas Mann die Begegnung mit dem Hypnotiseur Cipolla, der sein Publikum durch Charisma, Demütigung und Willensentzug beherrscht. Die Vorstellung eskaliert in einem Akt verzweifelter Befreiung. Die Novelle ist eine eindringliche Parabel über Verführung, Gehorsam und den Verlust menschlicher Würde - und zählt zu Manns schärfsten politischen Texten.
Ergänzt wird diese Schlüsselerzählung durch drei weitere späte Prosastücke. "Herr und Hund" setzt nach dem Ersten Weltkrieg ein stilles Zeichen für Maß und Humanität. "Unordnung und frühes Leid" zeigt, wie gesellschaftliche Krisen in das bürgerliche Privatleben eindringen. "Das Gesetz", im Exil entstanden, befragt Macht, Moral und Verantwortung am Beispiel der Moses-Gestalt.
Dieser Band versammelt Erzählungen aus einer Zeit der Umbrüche - literarisch präzise, politisch hellsichtig und von ungebrochener Aktualität. Für fremdsprachige Passagen und veraltetete Wörter erhalten Sie in dieser Ausgabe in Fußnoten Übersetzung bzw. Begriffserklärungen.
Thomas Mann (1875-1955) war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit dem Familienroman "Buddenbrooks" (1901) erlangte er früh Weltruhm und erhielt dafür 1929 den Literaturnobelpreis. Zu seinen wichtigsten Werken zählen außerdem "Der Tod in Venedig", "Der Zauberberg", "Lotte in Weimar" und "Doktor Faustus". Manns Werk kreist um Gegensätze wie Kunst und Bürgerlichkeit, Geist und Leben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er 1933 ins Exil, lebte in der Schweiz und den USA und trat öffentlich gegen das NS-Regime auf. Nach 1952 wohnte er wieder in der Schweiz, wo er 1955 starb.
Es sind momentan noch keine Pressestimmen vorhanden.