Vasco Kintzel - Mit der Gestapo am Kaffeetisch Nazis als Erbe: Spurensuche eines Kriegsenkels zwischen Verdrängung und Wahrheit
»Diese Schweine sind in unserem Haus ein- und ausgegangen.« Ein einziger Satz - beiläufig in der Küche gesagt, beim letzten Familientreffen. Für Vasco Kintzel ist es der Moment, in dem das Schweigen bricht - unwiderruflich. Was folgt, ist eine Reise, die sechzehn Jahre dauert - und die ihn weiter führt, als er sich je vorgestellt hatte: in deutsche und polnische Archive, in die Memoiren seines Vaters, den er zu kennen glaubte, in Tagebücher seiner Großmutter, die Dinge festhielt, die niemand lesen sollte. Und tiefer in die eigene Familie - in der das, was von Generation zu Generation weitergegeben wurde, längst zur Legende geworden war. Was war wahr - und was Schutzbehauptung? Wer war Opfer, wer Täter, wer Mitläufer? Und was bedeutet es, als Enkel heute mit dieser Erbschaft zu leben? »Mit der Gestapo am Kaffeetisch« ist eine schonungslose und zutiefst persönliche Spurensuche - und für viele Leserinnen und Leser weit mehr: Sie wird Ermutigung, den eigenen Familiengeschichten neu zu begegnen, die Biografien der Vorfahren zu hinterfragen und Anekdoten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Schon während des Lesens möchte man sich selbst auf die Suche nach dem begeben, was vielleicht auch in der eigenen Familie im Verborgenen liegt. Kintzel schreibt ohne die bequeme Distanz des Historikers, ohne Selbstschonung. Er schreibt als Nachkomme, der sich weigert wegzuschauen. Ein Buch, das aufwühlt, weil es Fragen stellt, die uns alle angehen.
Vasco Kintzel, 1973 in Karlsruhe geboren, war viele Jahre als freier Grafiker tätig und lebt seit 2000 im Raum München. Seine Arbeit bewegt sich zwischen bildender Kunst, Grafik und Schriftstellerei. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Sach- und Übungsbücher zur Buchbinderei sowie zum Erlernen deutscher Schreibschriften. Im umland verlag debütiert er mit einer persönlichen Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte - in der Grauzone zwischen Erinnerung und Schweigen. Beharrlich folgt er den überlieferten Anekdoten und fragt, was Wahrheit ist - und was über Generationen hinweg zur Legende wurde. Seine Recherche wird zu einem Anstoß, sich den eigenen Familienerzählungen zu stellen: Was wurde weitergegeben? Was verschwiegen? Und was beginnt sichtbar zu werden, wenn man genauer hinsieht - und nicht mehr ausweicht?
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