Netnographische Analyse der Zielgruppe ‚fachwerkinteressierter Touristen‘ am Fallbeispiel Die Schönsten im Norden - Von der Elbe zum Harz (gekürzte Fassung)

Netnographische Analyse der Zielgruppe ‚fachwerkinteressierter Touristen‘ am Fallbeispiel Die Schönsten im Norden - Von der Elbe zum Harz (gekürzte Fassung)

Masterarbeit zur Erlangung des Grades eines Master of Arts an den Fachbereichen Nachhaltige Wirtschaft und Landschaftsnutzung und Naturschutz im Masterstudiengang „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)

Linda Cassel

Gesellschaft, Politik & Medien

ePUB

1,9 MB

DRM: kein Kopierschutz

ISBN-13: 9783734720406

Verlag: BoD E-Short

Erscheinungsdatum: 06.08.2014

Sprache: Deutsch

Barrierefreiheit: Eingeschränkt zugänglich

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Fachwerk ist in vielen, vor allem ländlichen, Regionen Deutschlands eines der architektonisch prägenden Elemente und besitzt in gewissem Maße touristische Anziehungskraft. In der touristischen Literatur wird Fachwerk häufig als Sehenswürdigkeit angepriesen, bislang gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, ob und wie die Reisenden selbst dies wahrnehmen.

Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit lautet daher: Was wünschen sich Touristen von und in einer Fachwerk-Destination, was erwarten sie und was hält sie von einem Besuch ab? Die gewonnenen Ergebnisse lassen sich in vier Kategorien einteilen. Zum einen gibt es grundsätzliche Merkmale, die in einer Destination wichtig sind, zweitens sind bestimmte Ausstattungspunkte von zentraler Bedeutung, drittens sollte ein gewisses Angebot an Freizeit und weiteren Angeboten außer Fachwerk für den Touristen zugänglich sein, und viertens gibt es aktuell Defizite im Marketing, welche behoben werden sollten, um eine bestmögliche touristische Wertigkeit zu erzielen.

Ländliche Regionen stehen heutzutage allgemein vor der besonderen Herausforderung, sich selbst neu zu definieren und zu positionieren. Trends in der Bevölkerung, beispielsweise Landflucht oder der demographische Wandel, bedingen eine Entleerung dieses Raumes. Neuste Trends zeigen jedoch auch, dass in Deutschland der Inlandstourismus und die Rückbesinnung auf Heimat und Tradition eine neue Aufwertung erfahren. Entscheidende Stichpunkte für eine von Fachwerk geprägte ländliche Region sind hierbei Zuschreibungen durch die Gäste wie Gemütlichkeit, Ruhe, Beschaulichkeit und der hohe Stellenwert von kulinarischen, regionalen Angeboten.

Die vorliegende Untersuchung wird durch Handlungsempfehlungen für die Destinationsebene ergänzt und anhand von Beispielen der Regionalstrecke ‚Die Schönsten im Norden – Von der Elbe zum Harz‘ der Deutschen Fachwerkstraße verdeutlicht. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Empfehlungen beruht auf der Schaffung und Nutzung von Synergie-Effekten, neuen, kreativen Lösungsideen und einer Einbeziehung der Einwohner in allen vorzunehmenden Schritten. Dadurch kann ein Beitrag zur sozial und wirtschaftlich, teils auch ökologisch, nachhaltigen Stärkung des ländlichen Raumes geleistet werden.
Linda Cassel

Linda Cassel


Einleitung: Die vorliegende Arbeit beinhaltet die netnographische Analyse der speziellen Zielgruppe ‚fachwerkinteressierter Touristen‘. Fachwerk ist, wie später genauer erläutert wird, nicht nur eine weit verbreitete Bauweise von Wohn- und Werkhäusern in Deutschland und vielen weiteren Teilen der Welt gewesen. Sie prägt bis heute das Gesicht unzähliger Ortschaften quer durch unser Heimatland und bildet dadurch einen Aspekt touristischer Attraktivität. Nach Einbußen durch Krieg oder so genannte ‚Modernisierung‘ steigt das Ansehen von Fachwerkgebäuden in den letzten Jahren kontinuierlich. Fachwerkhäuser sind eine per se nachhaltige und erhaltenswerte Bauweise, deren Erhalt durch Tourismus mit gesichert werden kann. Hierbei spielt eine weitere Rolle, dass durch gesunden Tourismus der periphere Raum, in welchem Fachwerk durch selten multiple touristische Angebote eine bedeutende Rolle spielt, gestärkt werden kann. Wie die Voruntersuchungen gezeigt haben, existieren bisher keine expliziten wissenschaftlichen Untersuchungen zu Fachwerk als tourismusfördernder Faktor für Destinationen. Informationen zu Architektur und Aufbau von Fachwerk, ebenso zu touristisch interessantem Fachwerk sind verfügbar, diese umfassen unter anderem eine unzählbare Anzahl an Reiseführern, in denen für einzelne Orte und Regionen mit dem dort vorhandenen Fachwerk geworben wird. Doch was möchte eigentlich der Tourist selbst? Bezieht sich sein Interesse an Fachwerk-Destinationen auf den Baustil oder vorwiegend auf die Atmosphäre, die hierdurch erzeugt wird? Welche Erwartungen und Wünsche hat dieser ‚fachwerkinteressierte‘ Besucher zusätzlich an die Destination seiner Wahl? Die Perspektive dieses Gastes hat bisher in der Wissenschaft keinerlei Beachtung gefunden. Hierin liegt unter anderem auch die Begründung für die Entscheidung zu einer netnographischen Untersuchung, also der Anwendung ethnographischer, sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden im Internet. Ziel dieser Arbeit ist es neue Impulse, gewonnen aus Sicht der Besucher, für das ‚Produkt‘ historische Fachwerkstadt und dessen Vermarktung zu gewinnen und dadurch die vorwiegend peripheren Fachwerk-Destinationen zu stärken.

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