Die ontologische Krise der Stadt besteht gerade nicht, wie die allgemeine Modernismuskritik es verkündet, in einer defizitären Ästhetik der architektonischen Bauform, sondern vielmehr in einem tieferliegenden ontologischen Mismatch zwischen einem unüberwindbaren, aber zugleich unvermeidbaren Weltgestell einerseits und einem funktional entmündigten Städter andererseits, der am selbstbestimmten Konsum der für ihn bereitgestellten Wirklichkeitsware scheitert. Zurück bleibt eine dystopische Weltform, in der sich Stadt und Städter als zwei sich voneinander abwendende Daseins-Partner begegnen, die sich viel zu sagen hätten, aber kaum miteinander ins Gespräch kommen.
Nicht zurückzuschrecken vor diesen dystopischen Grundstimmungen einer urbanen Weltform, sondern auch ihre dysfunktionalen und oft depressiven Dimensionen aufzuspüren und auszustellen, ist der ausgemachte Arbeitsauftrag dieses Textes. Was sind die eigentlichen raum-ontologischen Strukturen der urbanen Moderne? Wie macht die städtische Normalwelt uns zu dem, was wir sind? Und zu was macht sie uns? Worin besteht das eigentliche ontologische Projekt, an dem die urbane Gesellschaft arbeitet und wie sehen die finalen Welt- und Daseinsarenen aus, auf die sie hinsteuert? Oder in kurz: Was sind die Dimensionen einer weltlosen oder ent-weltlichten letzten Wirklichkeit bzw. die Welt- und Existenzformen eines letzten Menschen? Das sind die Fragen, denen hier nachgegangen wird.
Mark Müller, geboren 1973, studierte Soziologe in Magdeburg, Comparative Urban Studies in Urbino und promovierte im Bereich qualitativer Sozialforschung und Stadtsoziologie. Bisherige Veröffentlichungen: Müller, M. (2020): Die surreale Stadt: Sinnwelten der Moderne und die Horizonte der Weltenmitte - Band I: Weltenbauer und Weltbewohner.
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