Schlagworte: Opa erzählt, Eisenbahnausbesserungswerk München-Freimann, Kindheit in den 50er Jahren, Kindheit in München-Freimann, Volksschule an der Situlistraße
Während des Gebetes ertönt plötzlich von hinten ein wütender Schrei. Ich sehe heute noch, was dann passierte, wie in einem Film, der in Zeitlupe immer wieder abläuft. Ich sehe Dschinowitsch, er kommt von rechts, schreiend, wutentbrannt, mit Tränen in seinem hochroten Gesicht, läuft an meinem Pult vorbei mit seiner Tafel in der Hand, springt auf einen leeren Stuhl, von dort aus auf den Tisch vor dem Lehrerpult, und bevor Herr Schreiber weiß, wie ihm geschieht, steht Dschinowitsch neben ihm auf dem Lehrerpult, sogar halb über ihm, reißt mit beiden Händen die Tafel nach oben und haut sie Herrn Schreiber mit voller Wucht auf den Kopf, so, dass die Schiefertafel mit einem lauten Knall zerspringt und der Holzrahmen um Herrn Schreibers Hals baumelt.
Hans Ilmberger, geboren 1948 in Steinhöring, Kreis Ebersberg, aufgewachsen in München, Abitur in Wuppertal, Studium in Hamburg, lebt seit den 70er Jahren in Schleswig-Holstein. Er war Lehrer, Schulleiter und ist Autor mehrerer Bücher. In diesem Werk kehrt er zurück zu seiner Kindheit in München, seine vier Enkel haben ihn dazu inspiriert.
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