Das "Theoretische und praktische Handbuch" der Fröbelschen Erziehungslehre gehört zu den späten Hauptwerken von Bertha von Marenholtz-Bülow. Es entstand in den 1880er Jahren und fasst ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit der Fröbelschen Pädagogik zusammen. Das Werk verfolgt das Ziel, die Erziehungsidee Fröbels systematisch darzustellen, die Spielgaben und Beschäftigungen methodisch zu erläutern und eine klare Anleitung für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen zu geben. Es verbindet theoretische Grundlagen mit praktischen Hinweisen und wurde in mehreren Ländern rezipiert. Das Handbuch prägte die Ausbildung von Kindergärtnerinnen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und gilt als Schlüsseltext für das Verständnis der frühen Kindergartenbewegung. Die vorliegende Ausgabe wurde modern aufbereitet. Beide Bücher, der theoretische und der praktische Teil, wurden in einem Band zusammengeführt. Orthografie und Typografie wurden behutsam modernisiert, der originale Wortlaut jedoch vollständig beibehalten. Die bildlichen Darstellungen (Tafeln) wurden aufwendig, teilweise unter Zuhilfenahme digitaler Rekonstruktionsverfahren, grundlegend überarbeitet und koloriert. Anders als in der historischen Ausgabe befinden sich die Tafeln nicht mehr im Anhang, sondern sind nutzerfreundlich in die entsprechenden Textpassagen integriert.
Bertha Maria Freifrau von Marenholtz-Bülow (1810-1893) entstammte einer niedersächsischen Adelsfamilie und wuchs in einem bildungsnahen Umfeld auf, das ihr früh Zugang zu Literatur, Musik und den geistigen Strömungen ihrer Zeit eröffnete. 1831 heiratete sie den Reichsfreiherrn Wilhelm von Marenholtz; im selben Jahr wurde ein Sohn geboren, der mit 22 Jahren an Tuberkulose starb. 1847 verließ sie ihren Mann. Über Bettina von Arnim und Adolph Diesterweg kam sie in Kontakt mit Fragen der Volksbildung und lernte 1849 in Bad Liebenstein Friedrich Fröbel kennen. Diese Begegnung wurde zum Ausgangspunkt ihres lebenslangen Engagements für die Verbreitung und institutionelle Verankerung der Fröbelschen Pädagogik. Marenholtz-Bülow wurde zu einer der wichtigsten Vermittlerinnen der Fröbelschen Erziehungsidee im 19. Jahrhundert. Sie verstand es, Fröbels komplexe Gedanken allgemein verständlich darzustellen und damit einem breiten bürgerlichen Publikum zugänglich zu machen. Zugleich war sie maßgeblich an der internationalen Verbreitung des Kindergartens beteiligt und unterstützte Gründungen in mehreren europäischen Ländern. Ihre Schriften dienten in verschiedenen Staaten als Grundlage der Kindergärtnerinnenausbildung. Eine besondere Rolle spielte sie im Kontext des preußischen Kindergartenverbotes von 1851. Durch publizistische Arbeit, internationale Vernetzung und praktische Gegenbeispiele trug sie wesentlich dazu bei, dass das Verbot 1860 aufgehoben wurde. Ihre öffentliche Wahrnehmung blieb ambivalent: Anerkennung für ihre Energie und Vermittlungsleistung stand in Spannung zu Kritik an ihrer starken eigenen Interpretation von Fröbels Lehre.
Matthias Brodbeck, geboren 1958 in Eisenach, begann bereits während seines Lehramtsstudiums, sich intensiv mit der Pädagogik Friedrich Fröbels auseinanderzusetzen. 1985 trat er als Fachlehrer in den Schuldienst ein. 1991 promovierte er im Bereich der Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Ein Jahr später gehörte er zu den Mitbegründern des Neuen Thüringer Fröbelvereins e.V., dessen Vorsitzender er über viele Jahre war. Mehr als zwei Jahrzehnte war er als Lehrerfortbildner in Thüringen tätig. 2006 initiierte er das Fröbeldiplom der Fröbelakademie Deutschland e.V. Seine Expertise zur Pädagogik Fröbels und deren produktiver Umsetzung in frühkindlicher Bildung und Schule machten ihn zu einem anerkannten Fachmann im In- und Ausland. Matthias Brodbeck ist Mitglied der International Froebel Society und engagiert sich in mehreren Fröbelvereinen und -arbeitskreisen.
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