Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden
Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse - Eine Sammlung, herausgegeben im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie
Schlagworte: Evangelische Kirche in Deutschland, EKD-Denkschrift Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick, Kritik an der staatsnahen Kirchenleitung, Kritik der militärfreundlichen Großkirche, Christlicher Pazifismus
Die Evangelische Kirche in Deutschland hat Anfang November 2025 der Öffentlichkeit eine Denkschrift über Krieg und Frieden präsentiert. Seitdem will die Kritik einfach nicht mehr verstummen. Die hier vorgelegte Sammlung erschließt 35 Stellungnahmen zum neuen militärnahen EKD-Kurs aus kirchlichen Initiativen, Publizistik, Friedensbewegung, Wissenschaft und christlicher Basis. Die Journalistin und Schriftstellerin Bascha Mika meint zum jüngsten Dokument der protestantischen Kirchenleitung: ". . . die gefährliche Anbiederung an die Macht scheint kein Tabu mehr. Deutlich zeigt sich das in der Haltung zu Atomwaffen. Hier eiert die Denkschrift atemberaubend herum, um irgendwie christlich und dennoch staatsloyal daherzukommen . . . Statt Bewahrung der Schöpfung die mögliche Vernichtung der Welt als christliche Risikooption? . . . Wo bleibt die Verantwortung der Kirche als Gegenkraft, die es angesichts der fortschreitenden Militarisierung der Gesellschaft bräuchte? Wo ist der christlich-ideelle Überschuss für eine gewaltfreie Welt? Stattdessen legt der Rat ein Grundsatzpapier mit realpolitischem Visionsverlust vor. Und ein protestantisches Manifest, das die Kirche weiter in den selbstverschuldeten Bedeutungsschwund treibt" (Frankfurter Rundschau, 12.11.2025). Der Konfliktforscher Markus Weingardt resümiert: "Die große Schwäche der Friedens-Denkschrift . . . besteht darin, dass sie der Gewaltlosigkeit nicht traut. Das ist ebenso erschreckend wie traurig wie folgenreich . . ., denn indem die Idee und Praxis der Gewaltlosigkeit relativiert und marginalisiert wird, wird zugleich jener marginalisiert, der die Idee und Praxis der Gewaltlosigkeit lehrte und lebte, Jesus selbst . . . 'Unerlöste Welt' hin oder her: Wer den Glauben an die Kraft der Gewaltlosigkeit aufgegeben hat, was bleibt dem noch? Hoffnungslosigkeit, Resignation? Der Glaube an den 'Mythos von der erlösenden Gewalt'? . . . Wenn Kirche in . . . einer 'Welt in Unordnung' nicht anderes, nicht mehr zu sagen hat, dann . . . macht sie sich überflüssig."
edition pace - Band 43. Herausgegeben von Peter Bürger, im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie.
Peter Bürger (geb. 1961 im Sauerland): Theologe (Studienorte Bonn, Paderborn, Tübingen) & examinierter Krankenpfleger; seit 2003 freier Publizist. 2016 Teilnehmer der Internationalen Konferenz "Nonviolence and Just Peace" (Rom). - Bearbeiter der Reihe "Kirche & Weltkrieg" (https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/) sowie der von ihm konzipierten Editionsprojekte "Tolstoi-Friedensbibliothek" (www.tolstoi-friedensbibliothek.de) und "Schalom-Bibliothek: Pazifisten & Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien" (www.schalom-bibliothek.org). - Bertha von Suttner-Preis 2006 für die Studien zu Krieg & Massenkultur; Rottendorf-Preis 2016 für die Erforschung und Vermittlung niederdeutscher Literatur. - Mitgliedschaften: Solidarische Kirche im Rheinland; Internationaler Versöhnungsbund (deutsche Sektion); Internationale katholische Friedensbewegung pax christi (ab 1980, als Kriegsdienstverweigerer); DFG-VK; VVN-BdA; Ökumenisches Institut für Friedenstheologie. - Als Herausgeber hat er zuletzt vorgelegt: Leo N. Tolstoi. Begegnung mit dem Judentum. Briefe und andere Zeugnisse des Dichters, nebst Darstellungen von jüdischen Zeitgenossen (Tolstoi-Friedensbibliothek 2025); "Gott für uns alle". Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden, Band II (zus. m. Hans Jürgen Rade, 2025); Gustav Landauer: Abschaffung des Kriegs durch Selbstbestimmung - Ausgewählte Texte 1895-1919 (zus. m. Jan Rolletschek); "Sei von den Schülern Aarons". Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner (2026).
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