Vivere [ital.] Verb; Infinitiv: leben, erleben, Dasein. Manchmal wiegt das, was ungesagt bleibt, schwerer als alles andere. Als er ging und die Antworten einfach mitnahm, blieb ein Raum zurück, der in seiner Stille fast ohrenbetäubend war. Um in diesem Echo nicht die eigene Stimme zu verlieren, gab es nur einen Ausweg, die Tür ins Schloss fallen zu lassen und aufzubrechen. Vivere ist die leise Kartografie einer Reise, bei der die Natur selbst zur Begleiterin wird. Aus den dichten, stillen Wäldern des Schwarzwalds, über die schroffen, fordernden Bergpässe der Schweiz bis hinein in das warme, offene Licht Italiens. Zwei Monate lang habe ich das ständige Kreisen der Gedanken gegen das archaische, heilsame Maß der eigenen Schritte eingetauscht. Mit jedem Höhenmeter, jedem Wetterumbruch und der rauen Weite dieser Landschaften verblasste der Drang, verstehen zu müssen, was hinter mir lag. Die Natur wurde von einer bloßen Fluchtkulisse zu einem Resonanzraum, in dem der eigene Atem endlich wieder den Takt angab. Dieses Buch erzählt von staubigen Pfaden, rauen Winden und der Kraft, die im puren Vorwärtsgehen liegt. Es ist eine Liebeserklärung an das Gehen und an die raue Schönheit der Natur. Eine intime Reise vom bloßen Funktionieren zurück in das pure, unverfälschte Dasein. Eben genau das, was es heißt: zu leben.
Claudia von Trausnitz, in Hamburg geboren, ist eine vielseitige Persönlichkeit, die nach ihrem Psychologiestudium den Eventbereich zu ihrer beruflichen Heimat gemacht hat. Sie lebt in Göttingen und widmet sich dort der Zusammenarbeit mit Künstlern unterschiedlichster Sparten von Musik und Film bis hin zu Kunst und Literatur.
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