Im Jahr 2020 erschien Otto Karl Werckmeisters grosses Hauptwerk »The Political Confrontation of the Arts in Europe from the Great Depression to the Second World War« als Doppelband 24/25 in der von Wolfgang F. Kersten inaugurierten und edierten Reihe »Zurich Studies in the History of Arts«, vormals »Georges-Bloch-Jahrbuch des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Zürich«. Bereits knapp drei Monate später dachte Werckmeister explizit daran, die Publikation durch eine »theoretische Folie« zu ergänzen, die nun posthum mit der vorliegenden Gedenkschrift realisiert ist. Auf Seite 67 wird das Thema folgendermassen zusammengefasst: »Walter Benjamin hat uns ein Vorbild dafür geliefert, wie man eine produktive Selbstorientierung in der Kultur der Gegenwart auf philosophische Bildung, wissenschaftliche Forschung, ästhetische Sensibilität, zeitgeschichtliches Bewusstsein, Kenntnis der literarischen Überlieferung, politisches Urteil und biografische Selbstreflexion gründen kann. Wollte man heute diesem Vorbild folgen, dann müsste man sich von den Kurzschlüssen der Anverwandlung freimachen, mit denen Benjamin Selbstorientierung und Erkenntnis in Eins setzte. Die heutige Kulturkritik, die sich auf Benjamin beruft, nimmt indes die Aporien, in die ihn seine überstürzte Theoriebildung geraten ließ, als unvermeidliche Paradoxien historischen Denkens hin.«
Werckmeister (1934 bis 2023) studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Freien Universität Berlin und promovierte dort 1958 mit einer Arbeit über spätkarolingische Goldschmiedekunst. Nach mehrjährigen Forschungsaufträgen am Warburg Institute (University of London) und am Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Madrid, wurde er 1965 als Associate Professor an die University of California, Los Angeles, berufen und dort 1971 zum Professor ernannt. Von 1984 bis 2001 lehrte er als Mary Jane Crowe Distinguished Professor in Art History an der Northwestern University in Evanston, Illinois. Von 2001 bis 2023 lebte und arbeitete er wieder in Berlin.
Wolfgang F. Kersten (Hrsg.)
1985 Promotion in Kunstgeschichte an der Universität Marburg/L., Habilitation 2002, seitdem Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Zürich.
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