Mit seiner Romanreihe "Zwei Leben" macht Sam Thiaz Stett Lebenswege über längere Zeiträume hinweg sichtbar und legt dabei ihre Entwicklungen und Brüche offen. In Band 1 der Reihe werden Kindheit und Jugend zweier Jungen in den 1960er bis 1980er Jahren in Westdeutschland erzählt. Die Erzählung verbindet persönliche Erfahrung mit gesellschaftlichen Veränderungen dieser Jahrzehnte und zeichnet ein präzises Bild von Angehörigen einer Generation, die zwischen Tradition und Aufbruch aufwächst. Im Mittelpunkt stehen zwei eigenständige Hauptfiguren: Martin, geprägt von Herkunft, Familie und dem Wunsch nach Nähe, erlebt seine Kindheit als ein Ringen um Zugehörigkeit, Sicherheit und Orientierung. Seine Welt ist von Enge, Schweigen und familiärer Entfremdung geprägt, aber auch von sensibler Wahrnehmung und einem feinen Gespür für die Stimmungen seiner Umgebung Markus wächst wissbegierig, sprachsensibel und politisch aufmerksam auf. Er erlebt Schule, Bildung und Öffentlichkeit als Räume, in denen er sich behaupten muss - und in denen er versucht, eine eigene Haltung zu entwickeln. Die Erzählung zeigt, wie beide Jungen auf sehr unterschiedliche Weise mit Unsicherheit, Erwartungen und gesellschaftlichem Wandel umgehen. Sie folgt einer klaren Struktur und wechselt zwischen den beiden Lebenswegen, ohne sie zu verbinden oder zu verschränken. So entsteht ein breites Panorama der Kindheit und Jugend dieser Jahre, das sowohl Innenwelten als auch gesellschaftspolitische Entwicklungen sichtbar macht. Thematisch bewegt sich der erste Band zwischen Herkunft und Aufbruch, Familie und Bildung, Nähe und Distanz, Privatem und Gesellschaftlichem. Er erzählt von den leisen Kräften und den Mustern, die sich in Kindheit und Jugend einprägen und lange nachwirken. Die Darstellung verzichtet bewusst auf Nostalgie und zeigt stattdessen, wie politische Ereignisse, Medien, Schule und familiäre Strukturen die Selbstbilder junger Menschen jener Zeit formen. Stilistisch setzt Stetts Darstellung auf klare, ruhige Prosa, präzise Beobachtungen und psychologische Tiefe. Die Erzählweise ist literarisch, aber zugänglich, und legt besonderen Wert auf Atmosphäre, innere Bewegungen und die feinen Übergänge zwischen Wahrnehmung und Reflexion. Band 1 bildet den Grundstein einer langfristig angelegten Beschreibung, die die Lebenswege der beiden Figuren über mehrere Jahrzehnte hinweg begleiten wird. Die folgenden Bände werden die Geschichte im Erwachsenenleben und späteren Jahren fortsetzen.
Sam Thiaz Stett ist das Pseudonym eines Autors, der seine literarische Arbeit bewusst von biografischen Zuschreibungen trennt. Im Zentrum seiner schriftstellerischen Tätigkeit steht die Frage, wie Menschen ihre Wirklichkeit formen - in Gedanken, in Beziehungen, in den stillen Übergängen zwischen Wahrnehmung und Erinnerung. Seine Texte richten den Blick auf jene Momente, in denen sich innere Bewegungen deutlicher zeigen als äußere Ereignisse. Er arbeitet ortsunabhängig und bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen beruflichen und kulturellen Kontexten in sein Werk ein. Diese Vielfalt prägt seine Perspektive: analytisch und zugleich intuitiv, strukturiert und doch offen für das Unvorhergesehene. Seine Arbeitsweise verbindet genaue Beobachtung mit einer interdisziplinären Haltung, die sich aus langjähriger Tätigkeit in verschiedenen Denk- und Arbeitswelten speist. Stetts Prosa bewegt sich zwischen innerer Wahrnehmung und äußerer Realität. Sie zeichnet sich durch eine klare, atmosphärische Sprache aus, die psychologische Tiefe ohne Pathos ermöglicht. Seine Figuren sind keine Helden, sondern Menschen, die mit Unsicherheiten, Erwartungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ringen - oft leise, oft tastend, immer glaubwürdig. Ihn interessiert, wie Herkunft, Bildung, politische Entwicklungen und persönliche Entscheidungen ineinandergreifen und wie sich daraus individuelle Lebenslogiken formen. Dabei verzichtet er bewusst auf autobiografische Lesarten und versteht seine Texte als eigenständige literarische Räume, in denen Leserinnen und Leser ihre eigenen Erfahrungen spiegeln können.
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